Filiz Sarah Gärtner

Mobile Wallet – ein Leitfaden

„ApplePay“ hat es möglich gemacht: kaum eine Technologie hat in letzter Zeit so viel Zündstoff für Diskussionen geliefert wie das Thema Mobile Payment. Denn die Potentiale und Anwendungsmöglichkeiten des mobilen Bezahlens sind längst nicht ausgeschöpft: die Digitalisierung des Bezahlprozesses ist branchenübergreifend, das Umfeld der Mobile Wallet dynamisch, undurchsichtig und gigantisch. Genau aus diesem Grund hat sich die BITKOM-Arbeitsgruppe Mobile Payments & Banking entschieden, einen Leitfaden zu erstellen. Mit dabei: Med Ridha Ben Naceur, Principal Consultant bei der GFT Group.

Denn auch wenn auch das iPhone mal wieder in aller Munde ist: Apple ist bei Weitem nicht der einzige Akteur, der sich Gedanken um mobiles Bezahlen macht. Auch andere Smartphone Hersteller wie Samsung, HTC und LG haben die standardisierte Übertragungstechnologie Near Field Communications (NFC) als geeignete Schnittstelle erkannt. Sie alle agieren in einem Markt, der nicht nur umworben ist von einer Vielzahl von Wettbewerbern, sondern branchenübergreifend funktioniert: Telekommunikamobilewallettionsunternehmen, Onlinehändler und Anbieter von Zahlungssystemen arbeiten an neuen Produkten und Dienstleistungen. Die Anwendungsmöglichkeiten erstrecken sich in alle Bereiche des täglichen Lebens und mit diesen Möglichkeiten entfachen die Diskussionen um Regularien.

Dabei ist die Idee hinter der der „Mobile Wallet“ denkbar einfach: der Geldbeutel, wie wir ihn heute kennen, soll digitalisiert werden. Und hier beginnt auch schon die Komplexität. Wie kann man den Begriff eigentlich klar definieren und von synonym verwendeten Bereichen wie „Digital Wallet“ abgrenzen? Welche Übertragungstechnologien kommen in Frage? Wie kann eine Infrastruktur für einen massenfähigen Markt aussehen? Und welche Konsequenzen hat eine „All-in-One-Lösung“ letztlich für den Endverbraucher?

More…

Bernd-Josef Kohl

Mobile Payment mit iPhone 6: Deutsche Banken stehen jetzt unter Druck

Erlebt die IT-Welt ein Déjà-vu? Jahrelang waren Tablet-Computer nicht mehr als eine gute Idee, der niemand den Steigbügel zum Markterfolg reichen konnte. Die Geräte waren eher Prototypen, eine überzeugende Dienste-Infrastruktur dahinter hatte niemand – bis Apple kam und das iPad zum Kassenschlager machte. Mobile Payment war bisher so etwas wie der Tablet-PC, den einst Microsoft-Gründer Bill Gates dem Publikum schmackhaft machen wollte – plausibel, aber irgendwie dann doch nicht richtig begehrenswert. Und nun wieder Apple mit Apple Pay. Für das deutsche Kreditwesen Druck und Chance zugleich.

Apple Pay

Mobile Payment in Deutschland, war da was? Hier und da hat ein Verbraucher eine Karte im Portemonnaie, mit der man kontaktlos bezahlen könnte. Meist bleibt es aber beim Konjunktiv, da es an den Kassen im Handel oder der Gastronomie nur rund 40.000 passende Gegenstücke derzeit gibt, die mit den NFC-Signalen auch was anfangen könnten. Google hat mit Google Wallet bereits eine Lösung vorgelegt, das Smartphone zur Geldbörse zu machen. Mit der Telekom und Vodafone sind auch bereits zwei Telekommunikationsriesen in Sachen NFC unterwegs. Die Resonanz bislang: kaum wahrnehmbar. Auch weil Banken und Sparkassen das Thema stiefmütterlich behandeln, sie setzen nach wie vor auf ihre Girokarten.

Jetzt also Apple. Mit einer Menge Aufmerksamkeit und Erwartungen. Bis Apple Pay in Deutschland verfügbar sein wird, dauert es noch ein wenig. Apple wird die Zeit nutzen, um hierzulande – wie in den USA – wichtige Partner zu gewinnen. Die deutsche Kreditwirtschaft sollte schnell zu einer Entscheidung kommen, ob sie solch ein Partner sein möchte. Sonst läuft sie Gefahr, in der Zukunft nur noch Zuschauer am PoS zu sein. Es spricht viel für einen neuen Coup des Unternehmens aus Cupertino im Silicon Valley.

More…

Miguel Reiser

Das Handy als Allround-Talent – vom Telefon zum mobilen Personal Assistant

Längst werden Mobiltelefone nicht mehr nur für den Zweck, für den sie ursprünglich entwickelt wurden, genutzt. Telefonieren ist zur Nebensächlichkeit geworden. Doch so wie das Handy heute kein Handy mehr ist, sondern ein Smartphone, wird auch das Smartphone eines Tages kein Smartphone mehr sein, sondern ein mobiles Universalgerät, das Handy, Portemonnaie, Brieftasche und Schlüsselbund vereint. Möglich macht dies die NFC (Near Field Communication)-Technologie, die der Kernfaktor für den Durchbruch des Mobile Business ist. Allerdings hat sich die Technik in Smartphones längst noch nicht flächendeckend durchgesetzt. Als Zugpferd für den Ausbau der Technologie sehen Branchenkenner Mobile Payment – damit soll die Werbetrommel für NFC gerührt werden. Das Problem: Der Chip allein ist nur die technologische Voraussetzung. Entscheidend ist die Akzeptanz von Finanzanbietern wie Banken, Händlern und Anwender – alle sind Rädchen, um das Uhrwerk zum Laufen zu bringen.

In den letzten Jahren gab es mehrere Pilotprojekte zu Mobile Payment und die immer wiederkehrende Prognose eines sich eröffnenden Milliardenmarkts. Laut einer aktuellen Gartner-Studie bezahlen im laufenden Jahr weltweit mehr als 140 Millionen Menschen Rechnungen per Handy – gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um 38 Prozent. Mit Google Wallet startete Google Ende Mai einen neuen Versuch, die elektronische Geldbörse im Markt zu etablieren. Dafür holte sich das Unternehmen Unterstützung von namhaften Kooperationspartnern: Aus der Finanzwirtschaft sind Citibank und Mastercard mit an Bord, die Politik unterstützt einen Feldversuch in New York und mit American Eagle Outfitters sowie Bloomingdale’s sind prominente Händler dabei.

Für Banken ist es höchste Zeit, im NFC-Umfeld Fuß zu fassen. Sie müssen sich beeilen, ihre Beraterposition zu festigen, wenn das Smartphone immer mehr zum zentralen Medium für Bankgeschäfte und Zahlungsverkehr wird. Geraten sie in die Rolle eines reinen Backend-Transaktionspartners, könnten sie in dieser Funktion eines Tages ganz herausgedrängt werden. Abhilfe schafft der so genannte Trusted Services Manager (TSM). Er gilt als vielversprechender Versuch, den Zugang zur NFC-Technologie zu managen. Dienste und Applikationen, die auf dem Smartphone installiert werden, müssen über den TSM abgewickelt werden. Damit wird der Trusted Services Manager zur direkten Schnittstelle zum Kunden. Eine Riesenchance für Kreditinstitute: Als Mit-Gesellschafter eines TSMs wird es für sie einfacher sein, auf Dauer mit eigenen Angeboten auf mobilen Endgeräten sichtbar zu bleiben.

Erwin Selg

Bezahlen per Handy – eine Vision wird Wirklichkeit

Am Fahrkartenautomat bequem per Handy bezahlen – diese Idee kommt vielen bekannt vor. Immer wieder tauchten in den vergangenen Jahren in den Medien Berichte über Pilotprojekte auf, in deren Rahmen das Mobiltelefon zur Geldbörse werden sollte. Die Akzeptanz dieser meist regionalen Initiativen war eher dürftig. Das gute alte Kleingeld hat sich als die attraktivere Alternative entpuppt.

Jetzt allerdings sorgt eine neue Technologie für Aufregung, die dem Bargeld endgültig zur Konkurrenz erwachsen könnte: Der so genannte Near-Field-Communications (NFC)-Standard ermöglicht die sichere und berührungslose Übertragung von Daten zwischen Mobiltelefonen und einem Terminal. Das mobile Bezahlen wird damit zum Kinderspiel. Schon heute sind viele Geräte mit den dafür nötigen Chips ausgerüstet, Nokia will ab 2011 alle Smartphones mit NFC-Komponenten ausrüsten, Blackberry-Hersteller RIM hat ganz ähnliche Pläne und auch über das iPhone 5 gibt es bereits entsprechende erste Gerüchte. Internet-Riesen wie Google verfolgen die Technik mit großem Interesse und arbeiten hinter den Kulissen bereits an interessanten neuen Anwendungen. Auch für GFT und seine Kunden ist das Thema ausgesprochen vielversprechend.

Dass es sich um eine Entwicklung mit großem Potenzial handelt, zeigen aktuelle Marktstudien. Die Experten gehen davon aus, dass deutschlandweit bis zum Jahr 2014 ein Volumen von mehr als sieben Milliarden Euro über das Handy oder Smartphone abgewickelt wird. Neben Fahrkarten für den öffentlichen Nahverkehr, wird beispielsweise auch der Einkauf im Supermarkt in Zukunft unkompliziert per Mobiltelefon abgewickelt werden können. Große Chancen bietet die NFC-basierte Bezahlung übrigens auch in Entwicklungsländern. Dort ist das Handynetz oft das einzige Vehikel, um Transaktionen sicher und über große Entfernungen abzuwickeln.

Eine Hürde für die schnelle Verbreitung im Alltag könnten allerdings umständliche Anmeldeprozeduren sein. Wer erst Benutzername und Kennwort eingeben muss, wird kaum kleine Beträge über die NFC-Technik entrichten. Aus diesem Grund arbeiten derzeit viele am neuen Bezahlstandard und an einheitlichen Verfahren, damit bei aller Sicherheit der Komfort nicht zu kurz kommt.