Simone Hedler

Schluss mit Standardlösungen? Aktuelle Trends im Core Banking

Das Finanzmagazin Banken+Partner hat in seiner heutigen Ausgabe einen Sonderteil zum Thema Core Banking veröffentlicht. Im Mittelpunkt steht das Spannungsfeld von Standardisierung und Flexibilität, in dem sich Finanzinstitute bei der Weiterentwicklung ihrer Systeme momentan befinden. Der GFT Core-Banking-Experte Claus Heller war dafür Mitglied einer Expertenrunde zu aktuellen Kernbankentrends und hat zusätzlich seine Einschätzung der aktuellen und zukünftigen Situation in einem Fachartikel beschrieben. Wir haben ihn aus diesem Anlass zu den aktuellen Entwicklungen im Core Banking befragt.

Claus Heller - Principal Consultant für Kernbankensysteme bei GFT

Claus Heller – Principal Consultant für Kernbankensysteme bei GFT

Welche Anforderungen kommen durch Mobile Banking & Co auf Kernbankensysteme zu?

Claus Heller: Ich denke, die größte Herausforderung wird das Thema Flexibilität sein. Neben dem Onlinebanking sind verschiedene neue Vertriebskanäle wie beispielsweise Smartphones oder Webportale hinzugekommen. Starre Systeme werden den neuen Vertriebsmodellen, die dadurch entstehen, nicht gerecht. Denn in Zukunft wird der Kunde mehr Interaktion mit seiner Bank fordern und z.B. Onlineberatung intensiver in Anspruch nehmen. Eine weitere Herausforderung wird sein, die damit verbundenen Sicherheitsrisiken auszuschalten. Dazu kommen neue gesetzliche Anforderungen wie SEPA oder FATCA und technische Trends – dabei denke ich vor allem an Big Data oder Cloud Computing. More…

Miguel Reiser

Welche IT Trends erwarten uns in 2012?

In den vergangenen Wochen war die Medienlandschaft durch die unterschiedlichsten Jahresrückblicke geprägt. Mittlerweile haben wir das alte Jahr hinter uns gelassen und möchten unseren Blick auf die kommenden zwölf Monate richten: Welche IT Trends erwarten uns 2012?  

Bild: Juerg Vollmer (Flickr)

Ein Blick in die einschlägigen Fachmedien zeigt eine einheitliche Prognose, zumindest was den größten aller Trends betrifft – die „Wolke“. Cloud Computing steht unangefochten an erster Stelle. Wiederum nicht verwunderlich: Hat das letzte Jahr genau mit diesem Trend aufgehört, knüpft das neue Jahr natürlich daran an. Doch was genau erwarten wir vom Cloud Computing in diesem Jahr? Die Experten sind sich einig, dass 2012 die Skalierbarkeit der Cloud mit sich bringt. Es existieren immer mehr Cloud-Lösungen und ermöglichen dadurch vielen kleinen und mittleren Unternehmen, mit immer geringerem Kostenaufwand, das neue Segment für sich zu entdecken und aktiv neue Produkte auf den Markt zu bringen. Die Cloud-Technologie wird in den nächsten Monaten den Kinderschuhen entwachsen sein und langfristig den Massenmarkt für sich erobern.  

Ein ebenfalls omnipräsentes Thema stellt der Markt der mobilen Endgeräte dar, welches auch 2012 nicht aus der Medienlandschaft wegzudenken sein wird. Laut der Computerwoche wurden 2011 11,8 Millionen Smartphones verkauft, was einem Wachstum von 31% zum Vorjahr entspricht. Spannend war auch der Erfolgszug der Tablet Computers im vergangenen Jahr; insgesamt wurden 2,1 Millionen Stück verkauft – ein Wachstum von 163%. Der BITKOM prognostiziert für 2012 ein Absatzvolumen von 2,7 Millionen. Dieser Voraussage zur Folge soll der Tablet-Markt um 29% wachsen.  

Nicht nur durch die Smartphones vorangetrieben aber doch maßgeblich davon beeinflusst, ist die Rubrik Social Media, welche den letzten großen Trend von 2012 darstellt. Hier dürfte es dieses Jahr besonders spannend werden, wird doch langsam aber sicher ein Verdrängungskampf am Markt der sozialen Netzwerke immer ersichtlicher. Letztlich wurde diese Entwicklung durch das von Google gelaunchte soziale Netzwerk Google+ mit verursacht.  

Zu den IT Trends im Bankenbereich hat Bernd-Josef Kohl, Head of International Business Consultants bei GFT Technologies, in der letzten Ausgabe der Zeitschrift Banken + Partner ein interessantes Statement gegeben. „Der Bankensektor wird 2012 die nächsten Schritte der Europäisierung gehen. Nicht nur getrieben von der Schuldenkrise, sondern auch im Hinblick auf SEPA. Bis 2013 muss der gesamte Euro-Zahlungsverkehr umgestellt sein – ein Kraftakt, der 2012 zu großen Teilen zu schultern ist. Verstärktes Interesse dürften Branchen-Neueinsteiger an E-Money-Lizenzen zeigen. Weitere – aussichtsreiche- Projekte sind im Mobile Payment zu erwarten. Und: Die Kreditvergabe wird weiter steigen und Anlass zur Modernisierung der Systeme geben.“  

Mehr Informationen zu unseren Kompetenzen im Mobile Banking finden Sie hier, auf unserer Homepage oder treffen Sie uns persönlich auf der CeBIT 2012.

Miguel Reiser

Cloud Computing: Zurück in die Zukunft

Nicht nur für die Marktforscher von Gartner ist es das Top-Thema für 2011: Cloud Computing beherrscht die Diskussionen unter IT-Verantwortlichen. Der Technologieansatz, wonach Ressourcen wie Anwendungen, Prozessorleistung, Speicherkapazitäten und sogar das komplette Rechenzentrum aus einer „Wolke“ im Internet bezogen werden, hat sich zu einem Mega-Trend entwickelt – und dieser Trend wird auch in der Finanz- und Versicherungsbranche heiß diskutiert.

Gerade in der Finanzbranche üben solche zentralisierten IT-Modelle seit jeher einen besonderen Reiz aus: Schon in den 70er und 80er Jahren galt der Zentralrechner in Form eines Mainframes als zuverlässige und sichere Arbeitsmaschine. Die zentrale Datenhaltung ermöglichte den Banken eine enorme Zeitersparnis. Der Trend zu heterogenen Netzen erhöhte die Komplexität der IT-Landschaften und sorgte zeitgleich aber auch für Kompatibilitäts-, Sicherheits- und Verfügbarkeitsprobleme und ließ so die Kosten in der IT explodieren. In diesem Zusammenhang existiert zwischen Cloud Computing und Mainframe ein entscheidender Unterschied: Anders als im unternehmenseigenen Rechenzentrum muss beim Rechnen in der Cloud keine eigene und teure IT-Infrastruktur bereitgestellt werden. Das Prinzip basiert vielmehr auf einem oder mehreren Anbietern. In der Regel vereint die „Wolke“ dabei verschiedene Virtualisierungskonzepte, Provisioning, Automatisierung, Betriebs- und Storage-Systeme sowie Anwendungen zu einem kompletten Service für die Bank. Statt am Terminal arbeitet der Anwender per Internet-Browser.

Fest steht aber auch: Vor allem im Bankensektor ist es Pflicht, neben dem technischen und organisatorischen Aspekt auch die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine Migration in die Cloud genau zu prüfen. Hier spielen Faktoren wie Datenschutz und Datenverfügbarkeit eine wichtige Rolle. Gerade im Bankenumfeld werden viele sensible Daten verarbeitet, übertragen und gespeichert, eine Auslagerung von Informationen ist dort naturgemäß mit einem besonderen Risiko verbunden. Wichtig ist beispielsweise, dass Provider sicherstellen müssen, eigenen Mitarbeitern den Zugriff auf die Daten des Kunden verwehren zu können.

Banken werden in der Regel dazu übergehen, beide Varianten des Cloud Computings zu nutzen: die Private und Public Cloud. Während in der Private Cloud – also in der Wolke innerhalb der Bank – datenschutzkritische Aufgaben abgearbeitet werden können, lassen sich in der Public Cloud die alltäglichen und weniger sensiblen Prozesse abwickeln. Damit behält die Bank die Kontrolle über ihre vertraulichen Informationen und nutzt dennoch die technischen und betriebswirtschaftlichen Vorteile des Cloud Computings.