Dr. Hansjörg Leichsenring

Vier Kernbereiche der FinTech-Angebote

Fintech-Startups versuchen neue Angebote zu kreieren, bei denen digitale Technologien und Finanzdienstleistungen so miteinander verbunden werden, dass für den Kunden ein zusätzlicher Nutzen entsteht. Dabei lassen sich die folgenden vier Schwerpunkte ausmachen: Payment und Zahlungsverkehr, Persönliches Finanz-Management (PFM), Trading- und Beratungsplattformen für die Vermögensanlage sowie neue Ansätze zur Finanzierung und Kreditvergabe.

Payment und Zahlungsverkehr

fintechstartupsDer Zahlungsverkehr ist der am längsten und von den meisten Fintech-Startups penetrierte Bereich. Da kann es nicht verwundern, dass einer Studie (1) unter europäischen Bankmanagern zufolge 95 Prozent der Befragten eine Gefahr für die Erträge durch neue Marktteilnehmer für wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich halten.

Bekanntestes Modell ist PayPal, das den Banken schon deutlich Marktanteile abgenommen hat und auch ein gutes Beispiel dafür ist, dass die etablierten Banken Marktentwicklungen falsch einschätzen. Bevor eBay das Unternehmen im Oktober 2002 für 1,5 Milliarden US-Dollar erworben hat, wurde es zahlreichen internationalen Banken zum Kauf angeboten. Alle haben damals abgewunken…

Inzwischen gibt es in diesem Bereich eine Vielzahl von Angeboten sowohl durch neue Startups als auch durch etablierte Anbieter unterschiedlichster Provenienz.

Besonderes Aufsehen hat Apple mit seinem neuen Bezahlsystem Apple Pay (2) erzielt, das seit Oktober 2014 in den USA auf dem Markt ist. Aber auch Google,  Amazon sowie zahlreiche Mobilfunkanbieter sind inzwischen mit eigenen Lösungen in dem Bereich aktiv.

Hinzukommen Fintech-Startups, wie z.B. Cashcloud (3), das ein elektronisches Portmonee auf dem Handy anbietet, mit dem nicht nur bezahlt werden kann, sondern auch Rabattmarken gesammelt werden können oder via E-Mail, Facebook- bzw. Twitterkontakt Zahlungen von Person zu Person möglich sind.

Andere wie z.B. iZettle versuchen, durch innovative Leistungen am Point-of-Sale die Hoheit über ein Stück der Wertschöpfungskette zu erlangen.

Persönliches Finanz-Management (PFM)

Seinen Ursprung hat PFM in den USA, wo der Pionier in diesem Bereich Mint nach eigenen Aussagen inzwischen über vier Millionen Nutzer hat. In Europa entwickelt sich das Thema entsprechend der Durchdringung der Nutzung des Internet und des Online-Banking von Nord nach Süd.

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Dr. Hansjörg Leichsenring

FinTech Startups: Bedrohung für die etablierten Banken?

Seit rund fünf Jahren gründen sich weltweit viele Startups mit dem Ziel, Produkte und Leistungen im Bereich Finanzdienstleistungen über den Vertriebskanal Internet anzubieten. Das Interesse an diesen FinTech-Startups steigt. Doch noch müssen sie beweisen, dass sie sich mit ihren Angeboten auf lange Sicht durchsetzen können.

Insbesondere in letzter Zeit sind hohe Unternehmensbewertungen, Finanzierungsrunden und Übernahmen (1) in diesem Bereich zu beobachten. Das globale Investment in FinTech-Unternehmen ist in den letzten drei Jahren viermal so schnell gewachsen, wie das des gesamten Venture-Capital-Bereichs. Seit 2008 haben sich die weltweiten Investitionen in FinTech-Unternehmen auf fast drei Mrd. USD verdreifacht. Dieser Trend wird sich fortsetzen und in 2018 werden die weltweiten Investitionen in diesem Bereich auf 8 Mrd. USD steigen, so eine aktuelle Studie (2).

New York und London haben sich dabei zu den wichtigsten Standorten entwickelt, doch auch bei uns gibt es immer mehr dieser neuen Anbieter. Eine Studie (3) zeigt, dass es derzeit über 100 FinTech-Startups allein im DACH-Raum gibt. Es scheint, dass hier ein interessanter Trend Fahrt aufnimmt.

Startup Bootcamp Cairo

Foto: Mai 2014 – Bootcamp für FinTech-Startups in Kairo. Von Startup Mena als CC auf Flickr

Angebotsschwerpunkte der FinTech-Startups

Bei der Angebotspalette lassen sich zwei Schwerpunkte beobachten:

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Filiz Sarah Gärtner

Mobile Wallet – ein Leitfaden

„ApplePay“ hat es möglich gemacht: kaum eine Technologie hat in letzter Zeit so viel Zündstoff für Diskussionen geliefert wie das Thema Mobile Payment. Denn die Potentiale und Anwendungsmöglichkeiten des mobilen Bezahlens sind längst nicht ausgeschöpft: die Digitalisierung des Bezahlprozesses ist branchenübergreifend, das Umfeld der Mobile Wallet dynamisch, undurchsichtig und gigantisch. Genau aus diesem Grund hat sich die BITKOM-Arbeitsgruppe Mobile Payments & Banking entschieden, einen Leitfaden zu erstellen. Mit dabei: Med Ridha Ben Naceur, Principal Consultant bei der GFT Group.

Denn auch wenn auch das iPhone mal wieder in aller Munde ist: Apple ist bei Weitem nicht der einzige Akteur, der sich Gedanken um mobiles Bezahlen macht. Auch andere Smartphone Hersteller wie Samsung, HTC und LG haben die standardisierte Übertragungstechnologie Near Field Communications (NFC) als geeignete Schnittstelle erkannt. Sie alle agieren in einem Markt, der nicht nur umworben ist von einer Vielzahl von Wettbewerbern, sondern branchenübergreifend funktioniert: Telekommunikamobilewallettionsunternehmen, Onlinehändler und Anbieter von Zahlungssystemen arbeiten an neuen Produkten und Dienstleistungen. Die Anwendungsmöglichkeiten erstrecken sich in alle Bereiche des täglichen Lebens und mit diesen Möglichkeiten entfachen die Diskussionen um Regularien.

Dabei ist die Idee hinter der der „Mobile Wallet“ denkbar einfach: der Geldbeutel, wie wir ihn heute kennen, soll digitalisiert werden. Und hier beginnt auch schon die Komplexität. Wie kann man den Begriff eigentlich klar definieren und von synonym verwendeten Bereichen wie „Digital Wallet“ abgrenzen? Welche Übertragungstechnologien kommen in Frage? Wie kann eine Infrastruktur für einen massenfähigen Markt aussehen? Und welche Konsequenzen hat eine „All-in-One-Lösung“ letztlich für den Endverbraucher?

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Bernd-Josef Kohl

Apple Pay in Deutschland: Springen Sparkassen und Volksbanken jetzt auf den Zug auf?

Es ist kaum zwei Monate her, dass Apple seinen iPhone-Bezahldienst Pay vorgestellt hat und schon kommt auch hierzulande Bewegung in den Mobile-Payment-Markt. Sowohl Sparkassen als auch Genossenschaftsbanken zeigen Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem US-Unternehmen. Aus Kundensicht eine gute Nachricht. Fraglich bleibt nur, ob sich die deutschen Banken auch auf einheitliche Standards einigen werden.

Apple Pay

Es überrascht kaum, dass Apples Einstieg in das Geschäft mit mobilen Bezahldiensten auch deutsche Finanzinstitute unter Zugzwang setzt. Schließlich könnte es der entscheidende Impuls sein, der dem Markt für mobiles Bezahlen nun endlich Dynamik verleiht. Im Blogbeitrag Mobile Payment mit iPhone 6: Deutsche Banken stehen jetzt unter Druck hatte ich das Zeitfenster skizziert, das sich nach dem Eintritt von Apple in den Mobile-Payment-Markt für deutsche Banken öffnet. Sparkassen und Volksbanken scheinen es nun nutzen zu wollen. Beide Verbände bestätigten in Medienberichten, dass sie Interesse an einer Zusammenarbeit haben.

Win-Win-Situation zum Greifen nah
Damit treffen sie die richtige Entscheidung, wollen sie noch eine Chance haben, die künftige Entwicklung hierzulande mitzugestalten und nicht anderen das Spielfeld überlassen. Es ist zu erwarten, dass Gespräche zwischen Apple und den Sparkassen sowie den Volks- und Raiffeisenbanken erfolgreich verlaufen werden. Schließlich könnte eine Zusammenarbeit, richtig angepackt, zur klassischen Win-Win-Situation werden – und die ist nun, bei aller öffentlichen Zurückhaltung der Akteure, zum Greifen nah. Deutsche Finanzinstitute blieben wichtige Akteure im Zukunftsmarkt Mobile Payment. Apple erhielte Zugang zu Millionen Sparkassen- und Volksbankkunden. Auch das sensible Thema Datenschutz dürften die US-Amerikaner im Blick haben: Schließlich genießen beim deutschen Verbraucher hiesige Banken immer noch mehr Vertrauen als globale US-Konzerne.

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