Janina Benz

Erwin Selg (CTIO GFT Group): “Die meisten Unternehmen, die sich mit Big Data befasst haben, sind nicht über den experimentellen Status hinaus gekommen.”

Big Data ist nicht umsonst ein Trend, der viele Unternehmen stark beschäftigt. Tagtäglich produzieren wir Unmengen an Daten. Laut einer Studie von IBM, sind es täglich 2,5 Quintillionen Bytes neuer Daten, die durch Nachrichten, Online-Transaktionen oder Aktivitäten in den sozialen Netzwerken produziert werden. Wie kann die Informationsflut analytisch beherrschbar gemacht werden? Was genau versteckt sich hinter dem Megatrend? Wir haben mit Erwin Selg, CTIO bei GFT, gesprochen und nach seiner Expertenmeinung gefragt.

Erwin Selg - CTIO GFT Group

Erwin Selg – CTIO GFT Group

Janina Benz: Hallo Erwin. Big Data ist omnipräsent momentan. Es geht um Daten, doch was unterscheidet die ursprüngliche Datenverarbeitung und -analyse vom Megatrend Big Data?

Erwin Selg: Insbesondere durch die zunehmend maschinelle Erzeugung von Daten entstehen riesige Datenvolumina, die sich alle 2 Jahre verdoppeln. Herkömmliche Datenbanken oder Visualisierungstechnologien können diese Datenmengen schlichtweg nicht verarbeiten. Weiterlesen …

Janina Benz

GFT beim deutschen IT-Gipfel in Essen

Am 13. November 2012 treffen sich in Essen wieder die führenden Köpfe der deutschen IT-Branche. Der Anlass: das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) lädt zum siebten nationalen IT-Gipfel. Durch das diesjährige Motto „digitalisieren_ vernetzen_ gründen“ soll der Innovationsstandort Deutschland gestärkt werden und Politik, Wirtschaft und Wissenschaft können Maßnahmen für die Zukunft anstoßen.

In acht Arbeitsgruppen werden sich die Gespräche hauptsächlich rund um die Schwerpunkte Vernetzung, Unternehmensgründung und smarte IT-Anwendungen drehen. Diskussionsthema wird auch die Leistungsfähigkeit des IT-Standortes Deutschland sein – was muss geschehen, um Deutschland zum globalen Vorreiter in Sachen Informationstechnologie zu machen?

Wirtschaft und Politik wissen um die Innovationskraft junger Entrepreneure. Aus diesem Grund findet am Vortag des IT-Gipfels der Young IT-Day statt. Als erfahrener Unternehmer und BITKOM Präsidiumsmitglied ist Ulrich Dietz aktiv involviert in das Geschehen. Er hält einen Vortrag: „Born Global! Wie aus Start-ups internationale Unternehmen werden“ und sitzt ebenfalls in der Jury zur stattfindenden Start-up Battle.

Die Bloggerchallenge: "Vom Start-up zur Global Brand?!"

Die Bloggerchallenge: “Vom Start-up zur Global Brand?!”

Dieses Jahr hat das BMWI zum ersten Mal eine Bloggerchallenge ins Leben gerufen. Thematisch dreht sich alles um das Motto: “Vom Start-up zur Global Brand!?” Unsere Bewerbung wurde akzeptiert und somit werde ich zusammen mit sechs anderen Bloggern zum IT-Gipfel reisen. Die ersten Beiträge sind schon unter diesem Link zu finden.

Bei Twitter werden die Teilnehmer dann auch unsere Tweets zum Thema finden: Unter dem Hashtag #itg12 werden wir unsere Eindrücke der Veranstaltung schildern. Wie schon im vergangenen Jahr wird der IT Gipfelblog des Hasso-Plattner-Instituts den 7. IT-Gipfels in Essen mit zahlreichen Interviews begleiten.

 

Janina Benz

Entwickelt Google mit Dart die Web-Programmiersprache von morgen?

Javascript war gestern? Google möchte sich langfristig auf die Entwicklung von nur noch einer Web-Programmiersprache konzentrieren. Ihr Name: Dart.

Wir haben mit unserem CTIO Erwin Selg gesprochen und ihn um seine persönliche Einschätzung dieser Entwicklungen gebeten.

Janina Benz: Hallo Erwin, kannst du uns sagen, warum die Entscheidung von Google, sich bei der Webentwicklung künftig allein auf Dart fokussieren zu wollen, in der IT-Branche so heiß diskutiert wird?

Erwin Selg - CTIO GFT Group

Erwin Selg – CTIO GFT Group

Erwin Selg: Ursprünglich wurde Javascript für kleinere Aufgaben entwickelt. Für größere Systemen ist es hingegen nicht geeignet. Die Programmiersprache besitzt z. B. keine Typisierung, was den Tool-Support und auch die Performance bei der Ausführung negativ beeinträchtigt. Das langfristige Ziel von Dart ist es, Javascript zu ersetzen.

Momentan ist Dart noch nicht in einer finalen Version verfügbar, sondern nur in einem sogenannten Technical Preview, die es nur der Entwicklergemeinde ermöglicht Feedback zu geben. Jedoch wird Dart – ähnlich wie etwa Java und C++ – eine solche Typisierung haben, wodurch sich die Performance deutlich verbessert.

Die Typisierung in Dart ist allerdings nicht verpflichtend. Das bedeutet, dass der Code trotzdem kompiliert und ausgeführt werden kann und der Entwickler lediglich einen Hinweis erhält. Bei einer strengen Typisierung, wie beispielsweise bei Java oder C++, würde der Code dabei nicht erfolgreich ausgeführt werden. Dart versucht also, hier die Vorteile der hohen Flexibilität von Javascript mit den Typisierung-Möglichkeiten von Java zu verbinden.

JB: Welche weiteren Merkmale kennzeichnen Dart?

ES: Für Dart ist etwa eine One-Page-Architektur angedacht. Der Client, also der Browser auf dem Rechner oder dem mobilen Endgerät, muss nur eine Seite laden. Die übrigen Daten werden nachgeladen, wodurch unter anderem der Server entlastet wird, da viele Berechnungen clientseitig ausgeführt werden.

JB: Wird Dart Javascript in Zukunft vollständig ersetzen?

ES: Ob Dart wirklich Javascript eines Tages ersetzen wird, muss sich zeigen. Immerhin hat mit Microsoft einer der anderen großen Player gerade Javascript für sich als zentrale Programmierplattform entdeckt – und zwar für die mit Windows 8 kommende Metro-Oberfläche. In der Zwischenzeit kann Dart aber auch als Precompiler arbeiten, indem Dart-Anwendungen in Javascript übersetzt werden. Somit würde es einfach als ausführende Sprache genutzt werden. Im Moment ist der erzeugte Javascript-Code allerdings noch nicht optimiert.

Ein anderes langfristiges Ziel von Dart dürfte es sein, eine Alternative zu Java auf der Android-Plattform zu schaffen. Nach dem Streit mit Oracle dürfte Google wohl ein Interesse an einer solchen Alternative haben.

JB: Was bedeutet das verstärkte Dart-Engagement für das Google Web Toolkit (GWT) und deren Nutzer?

ES: Es scheint klar zu sein, dass sich Google von GWT zurückzieht. Hinter Dart steht ein sehr fähiges Team, während GWT bei Google selbst immer weniger eingesetzt wird. Auch ehemalige Leuchtturmprojekte von GWT wie Google Mail, Google+ oder Teile der Suchmaschine sind wohl bereits auf die Javascript Bibliothek von Google Closure portiert worden.
Für GWT Entwickler bedeutet dies, dass der massive Support von Google künftig entfällt. Diejenigen Entwickler, die GWT weiterhin betreiben wollen, finden vielleicht im Umfeld des Web-Frameworks Vaadin eine neue Heimat. Vaadin hat GWT bisher als Frontend-Technologie genutzt und bettet GWT nun vollständig ein. Vaadin wird künftig auch großen Einfluss nehmen auf die Open-Source-Aktivitäten rund um GWT. Schließlich ist die finnische Firma mit ihrem Vice President Artur Signell direkt im Steuerungskomitee des Projekts vertreten.

JB: Welche Möglichkeiten werden deiner Meinung nach durch Dart für Unternehmen geschaffen?

ES: Sollte es gelingen, Javascript durch eine mächtigere Programmiersprache mit Typisierung und einem durchgängigen Programmierparadigma abzulösen, wären nochmals ganz andere Internetanwendungen denkbar, als wir sie heute haben. Oder anders gesagt: Durchschnittliche Webapplikationen würden einen Reifegrad haben, über den heute nur Anwendungen mit einem großen Budget verfügen. Entwicklungszeiten für große Applikationen würden sich deutlich verkürzen und die Qualität würde steigen. Alle dies sind bedeutsame Vorteile für Unternehmen. Der Service für den Endkunden könnte deutlich verbessert werden, und auch im mobilen Bereich ergeben sich vielfältige neue Möglichkeiten.

Weitere Informationen finden Sie hier: Ressellernews t3n

Mihaela Budja

Studie: Deutsche Bank Research befragt GFT Experten zum Einsatzpotential biometrischer Verfahren

Komfortabel oder unsicher? Fortschrittlich oder unreif? Biometrie gewinnt durch den stark wachsenden Bereich der Internetdienste immer mehr an Bedeutung – und stößt doch immer noch auf große Skepsis. Werden sich Spracherkennung & Co. flächendeckend durchsetzen? Können sie traditionelle Identifikationsverfahren nur ergänzen oder auch ersetzen? Wir haben mit Bernd-Josef Kohl über Trends und Entwicklungen in diesem Bereich gesprochen. Als GFT Experte war er unter anderem an der aktuellen Studie von DB Research „Der vermessene Mensch – Biometrische Erkennungsverfahren und mobile Internetdienste“ beteiligt.

Bernd-Josef Kohl - Head of International Business Consultants

Bernd-Josef Kohl – Head of International Business Consultants

Mihaela Budja: Warum eine Studie zum Thema Biometrie?

Bernd-Joseph Kohl: Biometrische Erkennungsverfahren werden als Sicherheitstechnologie immer wichtiger. Ein Grund hierfür ist, dass traditionelle Identifikationsmechanismen durchaus ihre Schwächen haben; ein anderer liegt darin, dass die Einsatzmöglichkeiten für Biometrie immer vielfältiger werden – vor allem im Bereich der Finanzdienstleistungen. Beides führt dazu, dass sich der Markt rasant entwickelt. Für mich war es sehr spannend, mit meinen Erfahrungen aus der Praxis dazu beizutragen, dem Thema fundiert auf den Grund zu gehen.

MB: Wie groß sind die Vorbehalte gegen biometrische Verfahren noch?

BK: Für Millionen von Nutzern von sozialen Netzwerken ist es inzwischen alltäglich, dass Fotos von Personen automatisch gekennzeichnet und verlinkt werden. Auch wenn dieses Thema durchaus heiß diskutiert wird, ist die Tendenz steigend. Ein weiteres Beispiel: Sprach-Apps für das Mobiltelefon und die dafür notwendige Erstellung von Sprachprofilen sind nichts Neues mehr und werden weitgehend akzeptiert.

MB: Gilt das auch für den Bankenbereich?

BK: Nein, hier steckt die Biometrie eher noch in den Kinderschuhen. In einigen Ländern wie Japan oder Brasilien gehören Geldautomaten mit Finger- oder Handflächenvenenbiometrie durchaus schon zum Straßenbild. In Deutschland wird es noch eine Weile dauern, bis Kunden mithilfe dieser Verfahren Geld abheben werden. Grundsätzlich kann man sagen: Biometrie wird in ausgewählten Bereichen wie an Flughäfen oder bei Zugangskontrollen zu Betrieben eingesetzt, hat aber im Bankenumfeld noch nicht den Massenmarkt erreicht.

Für eine höhere Akzeptanz in diesem Bereich kommt es stark auf die Einführungsstrategie an. Hierzulande spielen Daten- und Verbraucherschutz eine sehr wichtige Rolle; Banken müssen das Thema also sehr bedacht angehen. Es wird letztlich darum gehen, die Faktoren Sicherheit, komfortable Nutzung und Kosten in die richtige Balance zu bringen.

MB: Also gibt es in naher Zukunft kein Potenzial für Massenanwendungen?

BK: Doch, durchaus. Großes Potenzial gibt es bei generellen Legitimationsprüfungen, bei Zugangs- und Anwesenheitskontrollen, bei POS-Terminals sowie im mobilen und stationären Zahlungsverkehr oder bei Kredit- oder Debitkarten. Mit biometrischen Geldautomaten oder biometrischen Merkmalen auf der Bankkarte laufen bereits Testreihen.

MB: Haben traditionelle Identifikationsverfahren ausgedient?

BK: Mittel- und langfristig wird die Biometrie den Magnetstreifen auf der Karte ebenso wie PIN und TAN ersetzen. Ich gehe davon aus, dass sich zwei Verfahren durchsetzen werden: die Sprachbiometrie im Bereich der Anwendungen für Mobiltelefone und der Finger- und Venenscan auf der Girocard.

MB: Wohin geht die Reise? Wie sieht der biometrische Alltag 2030 aus?

BK: Vorstellbar sind viele spannende Einsatzmöglichkeiten für biometrische Verfahren: beispielsweise das Smart Home mit intelligenten Gegenständen, die sich an die Bedürfnisse der Bewohner anpassen. Vor allem die Vernetzung von Alltagsgegenständen wird immer wichtiger werden. Darüber hinaus gibt es großes Potenzial im Bereich Sicherheit, Gesundheit und in der Automobilbranche, aber im Finanzsektor: Bereits 2013 planen namhafte Banken wegzugehen von mTAN und iTAN und wollen im Laufe des nächsten Jahres ein neues Verfahren ausrollen. Hier wird sich also schon in naher Zukunft viel tun.

Die Studie „Der vermessene Mensch – Biometrische Erkennungsverfahren und mobile Internetdienste“ steht auf Deutsch und Englisch zum kostenlosen Download auf der GFT Website zur Verfügung.